Kulmain.
(ak) Große Ehre für Gerd Schönfelder. Die Ehrenbürgerwürde seiner
Heimatgemeinde und die Ehrenmitgliedschaft beim Sportverein sind der
offizielle Dank und tiefe Anerkennung für seine herausragenden Leistungen
bei dem Paralympics 2006 in Turin und seiner großen Sportlerkarriere. Mit
zwei Gold- und je einer Silber- und Bronzemedaille kehrte Gerd Schönfelder
in seinen Heimatort zurück und ist damit der erfolgreichste
Behindertensportler aller Zeiten.
Einen würdigen Empfang
boten ihm Fans, Sportkameraden, Freunde und seine Familie am Freitagabend.
Die Gemeinde hatte zusammen mit dem SV Kulmain zu einem Ehrenempfang in den
Kultursaal des Haus des Gastes eingeladen und die Erfolge von Gerd
Schönfelder auf der Olympiapiste von Turin gefeiert.
„I gfrei mi ganz narrisch, dat`s alle kumma sat`s; des is ja da Wahnsinn“
waren Gerds erste Worte, als er von einer großen Menge gegen 19.45 Uhr im
Scheinwerfer des OTV-Fernsehens am Foyer des Festsaals mit anhaltendem
Beifall begrüßt wurde. Zuvor hatte sich eine kleine Schar von Freunden,
SV-Sportkameraden und seine Familie in seinem Wohnhaus in der Wunsiedeler
Straße versammelt. Nach einem Glas Sekt und der ersten kleinen Begrüßungs-
und Gratulationsrunde wartete die erste SV-Abordnung vor der Haustür, um ihn
per Autokorso ins Haus des Gastes zu begleiten. Chauffiert wurde er mit
einem nagelneuen Q 7 und nahm in der applaudierenden Menge die Glückwünsche
von Freunden und GS-Fans am Eingang des Haus des Gastes in Empfang.
Rund 200 Gäste hatten sich im Kultursaal eingefunden, um ihm einen würdigen
Empfang zu bereiten.
1. Bürgermeister Hans-Gerd Reindl unterstrich mit seiner seltenst getragenen
Amtskette die Wertigkeit des Empfanges und begrüßte die Festgemeinde. Sein
besonderer Gruß galt dem Skistar selbst und seiner Familie, dem Fanclub der
Turin-Fahrer, Pfarrer Bernd Phillip und seinem Amtkollegen Günther Pöhlmann
aus Mehlmeisel sowie den anwesenden Gemeinderäten.
Als erster trat SV-Vorstand Johannes Sollfrank ans Rednerpult. „Die
Gerd-Show außer Rand und Band“ war sein Eröffnungssatz. „Vier Medaillen,
jeweils eine in jeder alpinen Disziplin, perfekte Medienauftritte und das
noch als Super-Hase (gezeigtes Aktfoto im ZDF)“ war sein uneingeschränktes
Lob für Gold-Gerd, der mit Erfahrung, unbändigem Siegeswillen mit „Feuer
unter den Skiern“ Deutschland und den SV Kulmain in Turin bestens vertrat. „Gerds
Worte `Vancouver ist eine schöne Stadt` gibt uns Hoffnung auch bei den
Paralympics 2010 in Kanada mit ihm zu fiebern“, erklärte Sollfrank. Aufgrund
seiner kometenhaften Sportkarriere, seinem sportlichen Engagement beim SV
Kulmain ernannte er ihn zum Ehrenmitglied. Freier Eintritt zu allen
Sportveranstaltungen, kein SV-Mitgliedsbeitrag und ein treuer SV-Fanclub
waren seine Dreingaben.

Bild: Gerd ist Ehrenmitglied des SV Kulmain (v.l.n.r.: 2.
Vorstand Michael Bodner, Gerd, 1. Vorstand Johannes Sollfrank)
„Wer ihn in Turin live erlebt hat, weiß, was ich mit seinem neuen Beinamen 'The
Machine' meine“, verdeutlichte SV-Spartenleiter Wintersport Thomas Reger. Er
berichtete kurz vom GS-Fanblock, der ihn eine Woche lang an der Piste und
beim Feiern der Medaillen begleitete. „Zusammen haben wir das
Österreich-Haus erobert. Gerd ist und bleibt stets einer von uns“, war sein
kameradschaftliches Lob und Olympia-Resümee für den erfolgreichsten
Handicapsportler alle Zeiten. Als Erinnerung übergab er ihm einen selbst
zusammengestellten Bildband „Turin 2006“. „Damit Du beim nächsten mal nicht
wieder sechs Fahrkarten an der ZDF-Torwand schießt“, war der spaßige Gruß
seines Fußballkollegen Christian Griener der namens der SV-Kicker die
Glückwünsche per Essens-Gutschein überreichte. Er hoffte, dass der
Seniorenkader durch Gerd in der Frühlingsoffensive wieder verstärkt wird.

Bild: Erinnerungsgeschenk Bildband Torino
2006 (v.l.n.r.: stellv. Abt.leiter Wintersport Stephan Vetter, Gerd,
Abt.leiter Wintersport Thomas Reger)
Für die Nachbargemeinde Mehlmeisel und als Chef von Gerds Trainingsstrecke
Klausenlift gratulierte 1. Bürgermeister Günther Pöhlmann. „Er ist damit
auch ein Mehlmeisler“, betonte er und zollte ihm hohen Respekt für seinen
Fleiß, Einsatz und unbändigem Siegeswillen. „Wir haben einen Tag dem
Behindertensport gewidmet“, berichtete Pöhlmann. Den Erlös in Höhe von 500
Euro übergab er GS per Scheck, der für die Jugendarbeit im Verband
Verwendung finden soll.

Bild: Scheck für den Nachwuchs des DBS (v.l.n.r.: 1. Bgm.
Günter Pöhlmann aus Mehlmeisel, Gerd)
Als letzter trat 1. Bürgermeister Hans Gerd Reindl ans Rednerpult. „Du hast
uns alle und ganz Deutschland nun schon zum fünften Mal während
paralympischer Spiele begeistert. Gerd eroberte als freundlicher,
erfolgreicher Sportsmann die Herzen der Fernsehzuschauer und hast Deine
Heimatgemeinde immer hervorragend vertreten. Wir sind stolz auf dich“,
versicherte Reindl. Im Gemeinderat wurde lange überlegt, wie man seine
sportliche Laufbahn und die unzähligen Erfolge gebührend würdigen könne. Er
erinnerte an Gerds olympischen Erfolge in Albertville 1992, Lillehammer
1994, Nagano 1998 und Salt Lake City 2002 sowie den vielen Welt- und
Europacupsiegen. „Du holtest Gold in der Abfahrt und beim Riesenslalom,
Silber im Super-G und Bronze im Slalom. Du trugst bei jeder Fernsehsendung
den Namen Deiner Heimatgemeinde Kulmain in die ganz Welt. Du hast Dich damit
für unsere Gemeinde verdient gemacht. Nach Artikel 18 der Gemeindeordnung
hat Dich deshalb der Gemeinderat einstimmig zum Ehrenbürger der Gemeinde
Kulmain ernannt“, erklärte Reindl unter dem Beifall der Ehrungsgäste. Er
überreichte ihm die Ernennungsurkunde und einen Korb voller Speisen, um die
„trockene Pasta aus Italia“ vergessen zu lassen. Mit je einem Blumenstrauß
dankte Reindl auch seiner Mutter Otti und Freundin Christina für deren
Unterstützung und Verständnis.

Bild: Gerd ist Ehrenbürger von Kulmain (v.l.n.r.: Gerds Mutter
Otti Schönfelder, 1. Bgm. Hans-Gerd-Reindl, Gerd, Freundin Christina Stock)
Im anschließend von der Stadtkapelle Kemnath musikalisch umrahmten
geselligen Teil des Ehrenabends musste GS viele Hände schütteln.
Purbach-Wein, Freibier der Maisel- und Klosterbrauerei und bestens
vorbereitete Happen der Wirtin Monika Östreicher bildeten den kulinarischen
Rahmen des Ehrenabends. Als die Stadtkapelle ihre Instrumente einpackte, die
Disco-Musik leiser gedreht wurde, war es Gemeinderat Udo Gebhardt, der sein
Knopfharmonie zu Hause holte und zu später Stunde dem jungen Ehrenbürger
aufspielte.
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